Karl Nolle, MdL

Freie Presse, 15.05.2001

Biedenkopf kämpft um Amt und seinen Ruf

Ministerpräsident spricht von Kampagne gegen ihn
 
Dresden. Sachsens Ministerpräsident warnt davor, seinen Durchhalte-Willen zu unterschätzen. Er werde dem Trommelfeuer der Angriffe solange standhalten, bis dieses sich erschöpft hätte. Biedenkopf sprach in einem Interview mit der „Freien Presse" von einer Kampagne, die das Ziel habe, seine Persönlichkeit zu zerstören und ihn am Willen der Mehrheit der Bevölkerung vorbei aus dem Land zu verteiben. Das werde er nicht zulassen.

Aufmunterung erhielt Biedenkopf gestern durch Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Er appellierte an Politik und Medien, die guten Sitten zu wahren, auf die die Bürger um des menschlichen und demokratischen Vertrauens Willen angewiesen sind".

Gegen den Eindruck, der Gratisurlaub auf einer Yacht eines Freundes habe politische Instinktlosigkeit verraten, verwahrte sich Biedenkopf ebenso wie gegen den Vorwurf, er entlaste sich in der Gästehaus-Affäre zulasten anderer. Auch bei künftigen Einladungen werde er wieder seine Freunde besuchen.

Und zur Schevenstraße erklärte der Ministerpräsident: „Ich habe die finanzielle Verantwortung für Fehlleistungen in der sächsischen Staatskanzlei und im Finanzmininisterium übernommen." Er setze jetzt alles auf den Untersuchungsbericht des Rechnungshofes. „An dem Ergebnis scheinen einige überhaupt kein Interesse zu haben“, wehrte er sich gegen Vorverurteilungen.
(Hubert Kemper)