Karl Nolle, MdL

Süddeutsche Zeitung, 12.05.2001

Biedenkopf oder: Schuld sind immer die anderen

Biedenkopfs Version fängt an zu bröckeln
 
DRESDEN. Es kann von Größe zeugen, wenn ein Politiker in Bedrängnis Fehler eingesteht. Er kann damit sogar eine brisante Affäre entschärfen. Allerdings funktioniert dies nur, wenn er von eigenen Fehlern spricht - und nicht, wenn er sie bei den anderen sucht. Genau das aber hat Sachsen Ministerpräsident Kurt Biedenkopf in dieser Woche versucht. In der Affäre um seine preiswerte hotelähnliche Dienstwohnung am Dresdner Elbhang hat er freimütig Fehler eingeräumt. Jedoch bekannte er sich nicht zu eigenen Fehlern, sondern stilisierte sich zum Opfer der eigenen Regierung.

Er und seine Frau seien in eine unmögliche Lage gebracht worden. Biedenkopf machte frühere Weggefährten verantwortlich, vor allem Ex-Finanzminister Georg Milbradt, den er zu Jahresbeginn im Streit entlassen hatte. Der soll nun die peinlichen Mietverträge verantworten.

Doch diese Schuldzuweisung war ohnehin wenig elegant. Denn sofort fragte man, weshalb Biedenkopf nie selbst auffiel, dass er arg billig auf Staatskosten logiert. Vor allem aber erschien der Verweis auf Milbradt äußerst unglaubwürdig - und damit brandgefährlich. Hatte denn nicht Frau Biedenkopf als „Feldwebel der Kompanie" sich stets selbst um alles gekümmert?

Es dauerte nur wenige Tage, bis Biedenkopfs Version durch weitere Enthüllungen zu bröckeln begann. Damit hat die Dienstvilla-Affäre eine neue Dimension bekommen. Es geht nicht mehr nur um die Frage, ob der Luxus auf Staatskosten ein Skandal oder eine lässliche Sünde ist. Jetzt wird das ohnehin erbärmliche Krisenmanagement beleuchtet: Es geht nun um die Frage, ob Biedenkopf die Wahrheit sagte, als er anderen die Schuld für seine Misere gab.
(jsc)