Karl Nolle, MdL

DNN/LVZ, 19.01.2002

Gute oder Schlechte Woche?

Rückblick und Meinung von B. Hempelmann
 
Es gibt Wochen, an deren Ende es für einige Leute an der Zeit ist, einmal in sich zu gehen. Nun ist gerade das eine Einsicht, auf die man selbst nicht immer kommt. Deshalb an dieser Stelle ein paar Vorschläge.

Keine gute Woche hatte Dresdens CDU-Fraktionschef Michael Grötsch: Zum Anfang wurde er bei der Wähl des Kandidaten für die Bundestagswahl - in die Grötsch mit unverhohlenem Anspruch gegangen war - mit einer deutlichen Niederlage gegen Christa Reichard wieder nach Hause geschickt. Zum Ende peitschte er seine Fraktion zu einer Entscheidung (die Auszubildenden der Stadt entgegen Zusage und bisheriger Praxis nicht wenigstens für einen gewissen Zeitraum zu übernehmen), die im Rat zu Recht für bittere Reaktionen sorgte. Zu viel Kalkül, zu wenig Gefühl.

Ungern an diese Woche erinnern wird sich auch Kurt Biedenkopf. Er nannte endlich den Termin seines Rücktritts und nutzte diese Gelegenheit - wenn sie es überhaupt noch war - nicht, um der Partei einen letzten Weg zu ebnen, wieder geordnete Verhältnisse zu erreichen. In einer Mischung aus Selbstherrlichkeit, Machtanspruch und Enttäuschung schürte er weiter den Zwist zwischen sich und der Sachsen-CDU sowie den Machtkampf innerhalb der Partei. Einsicht zeigt er nicht, Weitsicht ebenso wenig.

Gern an diese Woche erinnern wird sich sicherlich Biedenkopfs Wadenbeißer Karl Nolle - doch Grund zum Nachdenken hat auch er genug. Bei allem Verständnis für die Kontrollfunktion gegenüber der Regierung, auf die er sich in der Opposition gern beruft - die Art und Weise, auch die Sprache, in der er sich des Ministerpräsidenten und der CDU-Spitze zunehmend angenommen hat, hat mit Kontrolle nichts mehr zu tun. Häme und Hohn haben die Oberhand gewonnen, auch jetzt noch, da alles entschieden ist. Das Misstrauen war gut, Kontrolle ist nötig - aber auch Kontrolle über sich selbst.

Sicher ist Politik nicht das Feld, auf dem Rücksichtnahme und Nächstenliebe den Ton bestimmen und zum Erfolg führen. Auch gerecht und fair geht es nicht zu, oder gar ehrlich, dafür rabiat. Statt dessen bräuchte es Standhaftigkeit, Verantwortlichkeit, Anstand, Respekt.

In diesem Sinne ein Wochenende mal nicht als Abschluss der vergangenen, sondern als nachdenklicher Beginn der kommenden Woche(n).
Ihr Bernd Hempelmann
(Bernd Hempelmann)