Karl Nolle, MdL

DNN, 21.05.2001

Mietköche und Wanzen

Dresdner Depesche, Glosse von Jürgen Kochinke
 
DRESDEN. SPD-Oberaufklärer Karl Nolle outet gerne andere, mit Vorliebe CDU-Ministerpräsident Biedenkopf. Jetzt hat er mal sich selbst geoutet - ironisch, versteht sich: Unter dem Titel „...die ganze Wahrheit" gab sich Nolle als Doppelagent zu erkennen. Ex-Mitarbeiter des KGB würden ihn mit Wanzen versorgen, verkündete er jüngst, und der schwergewichtige Ex-Kanzler Helmut Kohl gebe ihm eh heiße Tipps gegen Biedenkopf, seit er Kohl auf einem „Weight-Watchers-Seminar" getroffen habe. Anlass für das absurde Theater: Biedenkopf hatte behauptet, Nolle sei gewissermaßen ferngelenkt vom Kanzleramt eines Gerhard Schröder und betreibe dessen SPD-Geschäft. Für Nolle eine Verschwörungstheorie, die sich doch toppen lassen musste.

Es gibt Politiker, die sind selbst dann unbedarft und ehrlich, wenn die Lage heikel ist und Schweigen angesagt wäre. CDU-Fraktionschef Fritz Hähle hatte kürzlich eine solche Anwandlung. „Das wird wie üblich ablaufen", verkündete er unmittelbar vor der Landtagssondersitzung samt PDS-Rücktrittsforderung gegen Biedenkopf. Was Hähle meinte, war brav gedacht: dass die Rednerliste eben dem Rollenplan gemäß abgearbeitet werden sollte; es klang aber anders, wie ein Vorgriff auf das, was kommen sollte: dass der PDS-Antrag sowieso von der absoluten CDU-Mehrheit weggestimmt werden würde.

Ein kleiner Handzettel sorgte jetzt für Gelächter der besonderen Art. Als „sauber, flink und zuverlässig" bot ein Haushaltshilfe-Service seine Dienste an „Mietköchin" inklusive. Der Witz an der Sache: Der Zettel wurde auch in der Schevenstraße verteilt, dem Wohnsitz der Biedenkopfs. Doch die haben ja schon einen Koch.
(JÜRGEN KOCHINKE)

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