Karl Nolle, MdL

DNN/LVZ Leserbriefe, 02.06.2001

Umgekehrt: Biedenkopf brauchte Sachsen

Leserbrief von Peter Schewe, 01728 Bannewitz
 
Es scheint allgemein in Sachsen die Meinung zu herrschen, Biedenkopf sei für Sachsen ein Glücksfall gewesen nach her deutschen Wiedervereinigung. Aber ist es nicht viel mehr so, dass Sachsen Biedenkopf die einmalige Gelegenheit zum politischen Comeback geboten hat? Ohne Wiedervereinigung und ohne Sachsen wäre Biedenkopfs Politikerlaufbahn nach dem Zerwürfnis mit Altkanzler Kohl beendet geblieben. Wer also heute meint, ohne Biedenkopf wäre in Sachsen so wenig los wie in anderen ostdeutschen Regionen, der überbewertet die Möglichkeiten einzelner Personen, Wirtschaft zu befördern und ignoriert sowohl die historische Bedeutung Sachsens als bedeutendster Industrie- und Technologiestandort im 19. und 20. Jahrhundert bis 1945 als auch die Tüchtigkeit der Sachsen.

Die Erfolgsgeschichte Sachsens nach 1990 ist doch nicht nur das Verdienst eines Ministerpräsidenten, sondern ist vielmehr der, wenn auch maroden, so aber noch vorhanden gewesenen Infrastruktur und dem technisch-wissenschaftlichen Potential seiner Bewohner zuzuschreiben. Siemens und AMD sind nicht wegen Biedenkopf nach Dresden gekommen, sondern weil hier Kapazitäten der Mikroelektronik und das wissenschaftliche Potential vorhanden und zu nutzen waren.

Als Nichtsachse kann ich nicht verstehen, wie die Mehrheit glauben kann, alles sei das persönliche Verdienst eines Einzelnen. Sonst sind die Sachsen ja auch nicht gerade bescheiden, sich ihrer "Helligkeit" zu rühmen. Nein, Herr Biedenkopf wusste genau warum er dem Ruf aus Sachsen folgte und nicht etwa dem aus Mecklenburg oder Thüringen.

Ohne die unbestrittene Kompetenz dieses Mannes schmälern zu wollen, es war sein Fehler, sich nicht konsequent genug gegen die Lobhudelei seiner Paladine und Höflinge gewehrt zu haben. Wer in Sachsen regiert, kann sich nicht wie ein Gast im Gästehaus der eigenen Regierung hofieren lassen, sondern der hat wie jeder andere auch seine privaten Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen und das um so konsequenter, je politisch bedeutender das Amt ist. Schade nur, sollte Sachsen und Ostdeutschland eine wichtige Stimme im Chor der Länder wegen solcher wirklich nicht notwendigen Lappalien verlieren.

Ich glaube nicht, dass Biedenkopf nach Sachsen gekommen ist, um König zu werden. Er wurde dazu von Leuten gemacht, die sich wohl immer noch nach einem König sehnen und er ist dem nicht entschieden genug entgegengetreten. Wenn dadurch die CDU in Sachsen nun die Führung verlieren. sollte, müssen sich diejenigen dafür verantworten, die Herrn Biedenkopf allzu hoffärtig und kritiklos bejubelt haben, anstatt über künftige Personalien und personelle Alternativen nachzudenken.

Karl Nolle im Webseitentest
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