Karl Nolle, MdL

DNN/LVZ, 31.12.2001

Lahme Ente

Biedenkopf vor dem Rücktritt, Kommentar von Sven Heitkamp
 
Zum Jahresende wird Sachsens Ministerpräsident deutlicher: Im nächsten Jahr tritt Kurt Biedenkopf ab. Kein Ausweichen mehr, keine Anspielungen, er könne ja auch bis 2004, wenn er nur wolle ... Nun muss der 71-Jährige sein Amt so bald wie möglich aufgeben. Ein Regierungschef auf Abruf ist eine "lahme Ente", er hat keine Druckmittel und keine Autorität mehr. Alles schaut bereits `gebannt auf den Nachfolger, der in Sachsen voraussichtlich Georg Milbradt heißen wird. Doch das Problem ist hausgemacht: Zur Politik gehört eben auch, zur richtigen Zeit abzutreten.

Biedenkopf hat diesen Zeitpunkt, der wohl schon bald nach der Landtagswahl Ende 1999, gelegen hätte, verpasst: Nun verblasst der Glanz des Sachsen-Königs unter einer Staubwolke von Affären. Der Paunsdorf-Untersuchungsausschuss zeigt, dass sich der Ministerpräsident zu sehr für einen persönlichen Freund engagiert hat; die Schlacht um die Schevenstraße offenbarte, dass die Biedenkopfs staatliche Zuwendungen über Gebühr beansprucht haben, und der Rabatt-Einkauf bei Ikea brachte das Fass zum Überlaufen.

Der Imageschaden ist bereits immens. In das Hohelied auf den weitsichtigen, Herrscher mischen sich gewaltig schiefe Töne über einen kleinmütigen Professor, der nicht aufhören konnte und die Übergabe des Staffelstabes an einen Nachfolger von seinen Gnaden nicht rechtzeitig regelte.

Keine Frage: Kurt Biedenkopf hat elf Jahre lang den Freistaat erfolgreich regiert. Das Land stand immer an der Spitze der ostdeutschen Länder und scheute sich nicht, bundespolitisch eigene Wege zugehen. Mit dieser Lebensleistung hat sich der Dresdner Regierungschef selbst ein Denkmal gesetzt. Doch die Statue bröckelt und nimmt täglich neuen Schaden. Wenn sie nicht zerfallen soll; ist es höchste Zeit zu gehen:

Karl Nolle im Webseitentest
der Landtagsabgeordneten: