Karl Nolle, MdL

Frankfurter Rundschau, 10.12.2012

Niedergang einer Nervensäge

 
Karl Nolle, Streiter der SPD Sachsen, ist (mit seiner Druckerei) am Ende

DRESDEN. Wenn der sächsische SPD-Politiker Karl Nolle loslegte, dann kochten regierende CDU-Politiker meist vor Wut, die SPD grinste vergnügt, Linke und Grüne klatschten Beifall. Diesmal dürfte es anders herum sein: Schadenfreude in der Union, mehr oder weniger Traurigkeit auf den Oppositionsbänken.

Der 67-jährige Landtagsabgeordnete und Unternehmer, seit einiger Zeit krank, ist mit seiner Druckerei am Ende. Das Dresdner Traditionsunternehmen mit 50 Mitarbeitern geht in Insolvenz. Dass der 1989 aus Hannover nach Sachsen gezogene Politiker nach der Wahl 2014 weitermacht, gilt als unwahrscheinlich.
Nolle ist nicht irgendein Abgeordneter: Es gibt keinen Politiker in Sachsen, der den CDU-Regierungen, von Kurt Biedenkopf angefangen, so auf die Nerven ging wie Nolle. Er war der Mann fürs Grobe.

"Der schwergewichtige Glatzkopf polterte,
polarisierte und prügelte wie kein Zweiter."

Biedenkopfs Niedergang war maßgeblich sein Werk: Angefüttert mit Detailwissen aus Regierung und CDU zerschredderte Nolle Biedenkopfs Ansehen in Sachsen und machte aus "König Kurt" einen Raffke. Ob es um Ikea-Rabatte, Biedenkopfs Dienstvilla ging, die Kasse im Gästehaus der Regierung, die Hubschrauberbenutzung Nolle wusste, wo es wehtat. Er bohrte und schaffte es, den kleinen Professor im Frühjahr 2002 aus dem Amt zu drücken. Er hatte für Biedenkopfs Gegner in der CDU die Drecksarbeit gemacht und störte sich nicht daran. Hauptsache, „Bieko" war weg.

Dann widmete er sich dessen Nachfolger Georg Milbradt und schließlich Stanislaw Tillich, `der es init seiner DDR-Biographie nicht so genau nahm. Wirklich gemocht hat Nolle nicht einmal seine kleine SPD-Fraktion. Nolles Ton war aggressiv bis schrill.

Nun ist seine Firma pleite **, Nolle angeschlagen. In Dresden gibt es Verschwörungstheoretiker, die darin das teuflische Wirken der CDU-Regierung sehen, nicht die Folge von Auftragsrückgängen: 2009, als Nolle sein CDU-Buch schrieb, gab es Indiskretionen, die Justiz werde wegen Subventionsbetruges ermitteln. Ein Verfahren*** kam nie in Gang. Nolle, der von Indiskretion lebte, bekam zu spüren, was das Wort bedeuten kann.

Von Bernhard Honnigfort


Anmerkung von Karl Nolle:

** bei der Karl Nolle mit dem 1. April 2011 als Geschäftsführer ausschied und seit dem keine Verantwortung mehr trug.

*** Die Justiz hat ermittelt, das Ermittlungsverfahren kam in Gang und wurde "blitzschnell", nach 18 Monaten, eingestellt, nachdem die Staatsanwaltschaft zweimal erfolglos die Aufhebung von Nolles Immunität beantragt hatte...

"Wie normal leider heute Insolvenzen selbst von Traditionsunternehmen sind, sieht man sehr gut auch am Beispiel der Frankfurter Rundschau. Deshalb aber ist der Journalist Berhard Honnigfort persönlich genausowenig am Ende wie Karl Nolle, warum auch ..."