Karl Nolle, MdL

spiegel-online, 15:56 Uhr, 13.01.2013

Neonazis: Polizei verliert Daten zu NSU-Unterstützer

 
Und wieder eine Panne bei der Aufklärung der NSU-Morde: Nach SPIEGEL-Informationen sind wichtige Daten über einen mutmaßlichen Unterstützer der rechten Terrorgruppe verschwunden. Der Mann hatte der Berliner Polizei als V-Mann Informationen geliefert.

Hamburg - Die V-Mann-Affäre um den mutmaßlichen Unterstützer der rechten Terrorgruppe NSU, Thomas S. kann möglicherweise nie ganz aufgeklärt werden. S. hatte mehr als zehn Jahre lang als "Vertrauensperson" (VP) für das Berliner Landeskriminalamt gearbeitet und soll den Beamten bereits 2002 Hinweise auf den Verbleib der drei NSU-Mitglieder gegeben haben.

Offenbar sind wichtige Unterlagen über S. Tätigkeit spurlos verschwunden. Das geht aus dem teils als "geheim" eingestuften Bericht von Sonderermittler Dirk Feuerberg hervor, der im Auftrag von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) den Fall drei Monate lang untersucht hatte.

Demnach waren die Dokumente - darunter wohl auch Protokolle über Treffen zwischen Thomas S. und Berliner Polizisten - auf dem Laptop eines Kriminalbeamten gespeichert, der seinerzeit mit der Führung des Spitzels betraut war. Das Gerät war dem Kripomann vor Jahren von einem Dolmetscher überlassen und wegen Korruptionsverdacht beschlagnahmt worden.

Dem Feuerberg-Bericht zufolge wurden die darauf befindlichen Daten zum Thema Rechtsextremismus damals nicht gesichert und konnten bislang nicht wiedergefunden werden.

Von Sven Röbel